All buildings are beautiful

Jahresthema 2026

Zu viele Gebäude werden abgerissen – obwohl ein großer Teil von ihnen weiter genutzt, umgebaut oder transformiert werden könnte. Mit unserem Jahresthema „All Buildings Are Beautiful“ stellen wir uns klar gegen diese Praxis und setzen auf Transformation statt Abriss.

Der Bausektor gehört zu den klimaschädlichsten Wirtschaftsbereichen weltweit. Er verursacht rund 37–40 % der globalen energiebezogenen CO₂-Emissionen. Ein erheblicher Teil davon entsteht nicht im Betrieb, sondern bereits durch Materialgewinnung, Herstellung, Bau und insbesondere durch Abriss und Neubau – sogenannte graue Emissionen.

Allein die Herstellung von Baustoffen wie Zement ist für etwa 7 % der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Und während die Energieeffizienz von Gebäuden stetig verbessert wird, verschiebt sich der Anteil: In vielen modernen Gebäuden können die grauen Emissionen über den gesamten Lebenszyklus bereits bis zu 50 % der Gesamtemissionen ausmachen.

Warum Abriss ein Klimaproblem ist

Abriss ist nicht nur ein architektonischer, sondern vor allem ein klimapolitischer Eingriff. Aktuelle Studien zeigen, dass der größte Teil der Emissionen eines Gebäudes bereits vor der Nutzung entsteht. Beim Abriss werden diese Emissionen nicht nur „vernichtet“, sondern zusätzlich durch Neubau erneut ausgelöst.

Eine zentrale Erkenntnis aus Forschung der University of Cambridge, TU Delft und der University of Technology Sydney lautet:

In der Praxis spielen Umwelt- und insbesondere Klimakriterien bei Abrissentscheidungen häufig nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen dominieren wirtschaftliche und baukulturelle Argumente – während Klimabilanzen von Sanierungen oft gar nicht erst berechnet werden.

Gleichzeitig zeigen die Forschenden, dass Gebäudeerhalt und Umbau zwei zentrale Hebel zur Reduktion von Treibhausgasen im Bausektor sind, die bislang systematisch unterschätzt werden.

Bestand als Ressource

In Hinblick auf die aktuellen Klimaentwicklungen ist klar:
Der Status quo des kontinuierlichen Abrisses ist nicht haltbar.

Die Bauwirtschaft ist zudem für einen erheblichen Teil des globalen Ressourcenverbrauchs verantwortlich – darunter große Mengen an Stahl, Beton und Aluminium. Studien zeigen, dass der Bausektor rund ein Drittel des gesamten Abfalls in Industrieländern verursacht und damit auch eine zentrale Rolle im Ressourcenverbrauch spielt.

Bestandsgebäude sind daher keine „alten Strukturen“, sondern Materiallager, CO₂-Speicher und kulturelle Ressourcen gleichzeitig.

Transformation statt Neubeginn

Es ist notwendig, Gebäude so lange wie möglich zu erhalten und ihre Nutzung immer wieder neu zu denken. Umbau, Weiterbauen und Umnutzung müssen zur Norm werden – nicht zur Ausnahme.

All Buildings Are Beautiful bedeutet für uns:
Wir verschieben den Blick von der Idee des perfekten Neubaus hin zu einer Kultur des Weiterbauens.

 

Was wir dieses Jahr tun

Im Rahmen des Jahresthemas werden wir Veranstaltungen und Aktionen organisieren, die Abriss kritisch beleuchten, Projektgruppen bilden, die einzelne Themenbereiche stärker beleuchten, sowie unsere Kooperationen und Netzwerke ausbauen.

Unser Ziel ist es, die systemischen Gründe für Abriss sichtbar zu machen – und konkrete Alternativen zu stärken.

Quellen:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352710225002736

https://journal-buildingscities.org/articles/10.5334/bc.59

https://www.oecd.org/en/publications/zero-carbon-buildings-in-cities_daae8779-en/full-report.html

https://repository.tudelft.nl/record/uuid%3A0f4d5e12-1eab-4ebd-8823-eccd7efd858a