Feministische* Bauwende

Mit dem Jahresthema 2025 Feministische Bauwende machen Architects 4 Future Austria auf die enge Verflechtung von Gender und Nachhaltigkeit in der Architektur aufmerksam und setzen sich für Chancengleichheit und Diversität ein.

Wie viele bekannte Architektinnen fallen dir spontan ein? 

 

Jenseits von Zaha Hadid bleibt die Liste meistens leer. Doch warum? Die Ursache liegt in den strukturellen Ungleichheiten des Berufsfeldes Architektur. Zwar sind die Absolvent*innenzahlen an österreichischen Universitäten ausgeglichen und verzeichnen sogar einen leichten weiblichen Überhang (54%), das Feld lichtet sich jedoch nach dem Abschluss deutlich[1]: Der Frauenanteil an lizenzierten Architekt*innen beträgt lediglich 30% und nur 11% der Architekturbüros werden von Frauen geführt[2]. Damit liegt Österreich im europäischen Vergleich unterhalb des Durchschnitts[3]. Wie kommt es zu dieser Differenz? Warum entscheiden sich Frauen nach dem Studium gegen eine Architekturkarriere? Und vor allem: Welche Folgen hat dieses Ungleichgewicht auf unsere gebaute Umwelt?

Architekturschaffende bauen für Menschen. Wenn hierbei wichtige Perspektiven fehlen, da entscheidungstragende Positionen  nur unzureichend divers besetzt sind, geht ein wichtiger Teil an Erfahrungswerten und Lebensrealitäten verloren. Es braucht mehr Frauen in entscheidenden Positionen, faire Besetzung von Jurys, sichtbare Vorbilder und eine Überarbeitung der Bürostrukturen sowie der Narrative des Berufsbildes.

Die (historische) Datenlücke

Architektur ist in unserer Wahrnehmung nach wie vor eine männlich dominierte Branche. Ursache für diesen Eindruck ist die fehlende Sichtbarkeit von Architektinnen in der Vergangenheit (und Gegenwart): Frauen wurden historisch gesehen immer wieder systematisch übergangen oder übersehen; die heutige Erzählung der Architekturgeschichte ist kein objektives Abbild, sondern das Ergebnis historisch gewachsener patriarchaler Strukturen[4]. So gingen Historiker*innen lange davon aus, dass es vor der Mitte des 20. Jahrhunderts keine weiblichen Architektinnen gab[5]. Dass es sehr wohl relevante Frauen in der Branche gab, zeigen mittlerweile zahlreiche Projekte wie beispielsweise die Website Architektur Pionierinnen[6]. Doch es brauchte erst einiges an Forschung und Veröffentlichungen, damit diese Frauen nach und nach Eingang in den Diskurs finden. Nur wer googlebar ist, ist auch relevant. Solange der Anteil weiblicher Biografien von Architektinnen in der Wikipedia nur 4,9% beträgt, bleibt der Eindruck bestehen, es habe in der Vergangenheit keine nennenswerten Architektinnen gegeben[7]. Selbst Größen wie Eileen Gray, Charlotte Perriand und Marion Mahony Griffin waren noch vor einigen Jahren gar nicht dort zu finden oder wurden auf ihre Tätigkeiten im Bereich der Innenarchitektur reduziert[8]. 

Die Erzählung der Architekturgeschichte braucht dringend ein Update. Trotz des mittlerweile umfassenden Literaturbestands über Frauen und Gender in der Architektur hat dieses Wissen bislang keinen Eingang in die Curricula von Universitäten und Fachhochschulen gefunden[9]. Wurden in eurem Architekturstudium Projekte von Frauen gezeigt oder deren Biografien besprochen? Eine Untersuchung an der TU Wien aus dem Jahr 2022 zeigt deutlich, wie einseitig die Vermittlung immer noch ist: In den Pflichtlehrveranstaltungen des Bachelorstudiums Architektur lag der Anteil gezeigter Arbeiten und Theorien von Frauen lediglich zwischen 1,5 und 13 Prozent[10]. Dabei hat die Lehre einen enormen Einfluss: Was wir im Studium lernen, prägt unser Verständnis der historischen und aktuellen Architektur-Landschaft. 

Eine wichtige Rolle spielen hierbei auch role models  – sie sind wichtig für das Selbstwertgefühl und wirken negativen Stereotypen entgegen, die berufliche Selbstzweifel fördern[11]. Eine junge Frau wird sich viel eher zutrauen, eine erfolgreiche Architektin zu werden, wenn es sichtbare Beispiele von anderen Wegbereiterinnen gibt, die dasselbe vor ihr geschafft haben. Was uns zu Zaha Hadid führt  – der einsame Stern am männlichen Architektenhimmel…

Architekturpreise: Für Frauen leider nicht verfügbar

Erst 2004, 25 Jahre nach der Gründung des Pritzker-Preises gelang es zum ersten Mal einer Frau, die gläserne Decke zu durchbrechen und internationale Anerkennung für ihr Schaffen zu erhalten: Zaha Hadid war die erste und bis dato auch einzige Frau, die diese renommierte Auszeichnung als Einzelperson erhielt[12]. Auch heute, über zwanzig Jahre später, sind noch immer nur 6 der insgesamt 53 bisherigen Preisträger*innen Frauen – ein Anteil von 11%[13]. Auch bei anderen Architekturpreisen wie der RIBA Gold Medal oder AIA Gold Medal sieht es nicht anders aus[14]. 

Hatte es vor Hadid schlicht keine herausragenden Architektinnen gegeben? Das Beispiel von Denise Scott Brown widerlegt diese Annahme eindrücklich. Ihr Name fehlt in der offiziellen Liste der Pritzker-Preisträger*innen, obwohl sie gemeinsam mit ihrem Partner Robert Venturi das prämierte Werk ‚Learning from Las Vegas‘ erarbeitet hat. Als Venturi 1991 den Architekturpreis erhielt, wurde Scott Brown übergangen – ein exemplarischer Fall, wie Frauen in der Architektur systematisch ignoriert werden und ihre Leistungen damit keine Anerkennung finden[15].

Zurück in die Gegenwart – Warum verlassen Frauen die Architektur?

Von den 100 weltweit größten Architekturfirmen werden nur 3 von Frauen geführt und keine davon ausschließlich[16]. Auch außerhalb der Privatwirtschaft trifft man auf ein ähnliches Phänomen: An der TU Wien lag der Anteil weiblich besetzter Professuren im Jahr 2020 nur bei 24%[17].

Es gibt viele Gründe, warum der Frauen-Anteil mit steigender Karrierestufe drastisch sinkt. Strukturelle Benachteiligung im Job fängt z.B. bei der Bezahlung an: Der bereinigte Gender Pay Gap in der Architektur liegt bei 6,8%[18]. Bei einem Durchschnittsgehalt sind das über 200€, die männliche Kollegen bei gleicher Arbeit mehr im Monat verdienen. Auch sind die Arbeitszeiten und Erwartungshaltungen klassischer Architekturbüros für Personen mit Betreuungspflichten oft unpassend. Karin Hartmann schreibt hierzu in Schwarzer Rolli, Hornbrille: “Allein das Bild des allzeit verfügbaren Architekten, der sich gänzlich seiner Berufung hingeben kann, und die Annahme, Architektur könne man nur in Vollzeit machen, lässt junge Frauen vorhersehen, dass es in dieser Profession schwierig wird, Familie und Beruf zu vereinbaren“[19]. Überstunden sind in vielen Architekturbüros Normalität – im Schnitt 11 Stunden pro Woche – aber das Kind muss trotzdem pünktlich abgeholt werden[20].

Das Angebot an Teilzeitstellen ist in der Architektur sehr gering. Da unter den Angestellten überdurchschnittlich viele Frauen in Teilzeit arbeiten – häufig, weil sie Sorgearbeit für Kinder oder ältere Angehörige übernehmen –, trifft das geringe Angebot an Teilzeitstellen besonders sie. Es schränkt ihre beruflichen Möglichkeiten ein und erschwert nachweislich den Zugang zu Führungspositionen[21]. Teilzeitkräfte werden schlechter bezahlt und weniger befördert[22]. So suchen sie sich lieber Arbeitsstellen in architekturnahen Feldern, die bessere Bedingungen anbieten können[23].

Schwarzer Rolli, Hornbrille[24]

Will man verstehen, wie sich die Rahmenbedingungen der Architekturbranche auf Frauen auswirken, muss man tiefer in die Glaubenssätze und unausgesprochenen Vorgaben eintauchen, die das Berufsbild prägen: Die Architekturszene baut seit der Moderne auf dem Bild des genialen Einzelgängers auf, der sich 24/7 der Architektur als seiner großen Leidenschaft widmet[25]. Meister-Figuren wie Mies van der Rohe oder Le Corbusier waren und sind dabei prägend für ganze Generationen angehender Architekt*innen[26]. Das Phänomen des lone genius und der damit verbundene Starkult vermitteln ein ganz bestimmtes Bild, wie ein Architekt zu sein hat. Das zeigt sich unter anderem auch am Kleidungsstil – der schwarze Rollkragenpullover ist mittlerweile zum Symbol eines gesamten Berufsfeldes geworden. Schlichte, meist schwarze Kleidung wird als passend zum Beruf Architekt angesehen und erzeugt dadurch Vertrauen[27]. Wer nicht in das Stereotyp passt, hat es schwerer, in der Branche akzeptiert zu werden – und das trifft besonders auf Frauen zu[28]. Auch die Eigenschaften und Verhaltensweisen, die mit diesem Bild verbunden sind, gehen auf die Idole der klassischen Moderne zurück[29]: Durchsetzungskraft, Härte und das kompromisslose Festhalten am eigenen Entwurf als Ausdruck individueller Selbstverwirklichung gelten bis heute vielerorts als Ideal des Architektenberufs. Diese Norm prägt weiterhin Erwartungen und Bewertungskriterien innerhalb der Branche und erschwert alternative Arbeitsweisen, die stärker auf Zusammenarbeit, Aushandlung und soziale Verantwortung setzen. Gleichzeitig zeigt sich hier eine deutliche Doppelbewertung: Eigenschaften, die bei Männern als Zeichen von Führungsstärke gelten, werden bei Frauen häufig negativ interpretiert[30]. Bezeichnend für dieses Phänomen ist der Zaha Hadid zugeschriebene Satz: “Would they still call me a diva if I was a man?”

Warum ist Feminismus wichtig für nachhaltige Architektur?

Es gibt eine ganze Reihe an Gründen, weshalb Gender-Aspekte untrennbar mit Nachhaltigkeit verbunden sind. Zum Beispiel sind Frauen stärker von der Klimakrise betroffen, da sie statistisch gesehen weniger Möglichkeiten zur Anpassung haben[31]. Aber Nachhaltigkeit wird gerade in der Architektur oft nur auf Materialien und Energieeffizienz reduziert, dabei bilden soziale Aspekte ebenso eine der drei Säulen der Nachhaltigkeit[32]. Geschlechtergleichheit wurde von der UN als fünftes der 17 SDGs (Sustainable Development Goals) aufgestellt und wird als Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung gesehen[33]. Nachhaltigkeit ist zudem auch Care-Arbeit. Nachhaltige Themen werden häufig von Frauen vorangetrieben, da sie überproportional in Bereichen tätig sind, die sich mit Fürsorge und dem Erhalt von Lebensgrundlagen befassen – sei es in sozialen Bewegungen, Umweltaktivismus oder der Politik – und sich um den Planeten und um zukünftige Generationen kümmern[34].

Sind unsere Städte für Männer geplant?

Jane Darke hat es 1996 schon treffend formuliert: “Our cities are patriarchy written in stone, brick, glass and concrete.”[35] Was sie damit meint ist, dass die gebaute Umwelt einen Spiegel der Gesellschaft darstellt; kurz gesagt: patriarchale Gesellschaft = patriarchale Architektur und Stadt[36]. Das merkt man zum Beispiel an der Art, wie unsere Städte geplant wurden. 

Die funktionsgetrennte Stadt, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Grundlage der Stadtplanung war, bedingte die Entstehung reiner Wohngebiete am Stadtrand und ein nahezu unbewohntes Stadtzentrum. Arbeit und Freizeit wurden strikt räumlich getrennt. Die Zonierungsstruktur basierte dabei auf stereotypen Geschlechtsrollen: In einer traditionellen Kleinfamilie war der Mann der Arbeitnehmer und die Frau für den Haushalt und die Sorgearbeit der Kinder und älteren Personen zuständig[37]. Seit die Frauen jedoch zusätzlich anfingen, erwerbstätig zu werden, stellt es sie vor einige Herausforderungen, da bezahlte Arbeit und Sorgearbeit miteinander vereint werden müssen[38]. Arbeit ist jedoch nicht gleichmäßig unter den Geschlechtern verteilt: Dem Gender Gap Report von 2016 zufolge “verbringen Frauen doppelt so viel Zeit wie Männer mit unbezahlter Arbeit und arbeiten insgesamt mehr, wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammengezählt werden”[39].

Auf diese Doppelbelastung der Frauen reagiert die funktionsgetrennte Stadt mit Barrieren, vor allem beim Thema Mobilität. Da Frauen weniger häufig Zugang zu einem Auto haben, ist der öffentliche Nahverkehr neben Radfahren und zu Fuß gehen, das am häufigsten von ihnen genutzte Verkehrsmittel[40]. In den Wohngebieten der Vorstadt existiert aber häufig keine oder keine gute Anbindung an das ÖPNV-Netz, sodass Frauen der Zugang zu Dienstleistungen, Unterstützung bei der Care-Arbeit und Arbeitsmöglichkeiten erschwert wird[41]. Transportsysteme sind in den meisten Fällen auf den pendelnden Büroangestellten ausgelegt, der zweimal am Tag eine lineare Fahrt ohne Umwege und Stops zurücklegt[42]. Diese ‘Norm’ trifft aber nicht auf Frauen zu. Eine berufstätige Mutter hat ein ganz anderes Bewegungsprofil; sie bringt etwa vor der Arbeit zwei Kinder zu verschiedenen Orten und macht abends einen Zwischenstopp bei ihrem pflegebedürftigen Vater. Frauen erledigen weltweit 75% der Care-Arbeit und legen bis zu 40% mehr aneinandergereihte Wegstrecken zurück[43]. Viele ÖPNV-Systeme sind darauf jedoch nicht ausgelegt. Zur Rechtfertigung wird manchmal auf den Begriff ‘Zwangsmobilität’ zurückgegriffen, der “alle Wegstrecken […], die aufgrund von Berufstätigkeit und Ausbildung zurückgelegt werden”[44] beschreibt. Dies legt nahe, dass Wegstrecken für Care-Tätigkeiten nicht zwingend sind. Leslie Kern schreibt dazu in ihrem Buch ‘Feminist City’: “Alle Städtebaukonzepte beziehen sich auf ein Bündel an Annahmen über den ‘typischen’ Stadtbewohner: seine täglichen Reisepläne, Bedürfnisse und Werte. Erschreckenderweise ist dieser Stadtbewohner ein Mann”[45]. Die Planung der Stadt fußt auf einer männlichen Lebensrealität, die die Bedürfnisse und Lebensrealitäten von Frauen nur unzureichend berücksichtigt[46].

Pinkeln ist politisch

Öffentliche Toiletten fungieren, wie Lezlie Lowe es ausdrückt, als „invitation to participate in urban life“[47]. Denn in der Stadt, in Parks oder an Veranstaltungsorten kann sich niemand lange ohne diese aufhalten. Umso wichtiger ist es also, dass dieser Zugang für alle Bürger*innen gleichberechtigt ist. In der Realität aber sieht man immer wieder das gleiche Bild: Frauen stehen Schlange, während die Männertoiletten selten voll besetzt sind. Warum gibt es diesen Kontrast? Eine Antwort ist die Auslegung. Die Vorschriften in Deutschland bestimmen beispielsweise in Bayern für Versammlungsstätten mit 1000 Besuchern nur 12 Damentoiletten, aber 8 Herrentoiletten plus 12 Urinale (=20!)[48]. Insgesamt sind also mehr Herrentoiletten vorgeschrieben. Man merkt, das geschlechterspezifische Unterschiede in der Toilettenbenutzung hier nicht miteinbezogen werden. Frauen brauchen im Schnitt mehr als doppelt so lange für die Toilettennutzung, da sie häufiger von Kindern oder älteren Menschen begleitet werden und häufiger Kleidung tragen, die komplizierter an- und auszuziehen ist. Zudem muss ca. ein Viertel der Nutzerinnen im gebärfähigen Alter in regelmäßigen Abständen Periodenprodukte wechseln[49].

Angesichts dieser Fakten ist es nicht vertretbar, dass die Stadt Wien, die sich mit gender mainstreaming in allen Stadtplanungsprozessen brüstet, im Jahr 2025 neue Toilettencontainer auf der Donauinsel aufstellt, die offensichtlich diskriminierend sind: Pissoirs sind kostenlos nutzbar während Sitztoiletten eine Gebühr kosten. Das geht besser, Wien!

Mädchen im öffentlichen Raum

Dass der öffentliche Raum unter einer (unbewussten) sexistischen Voreingenommenheit geplant wurde, zeigt sich auch anhand von Untersuchungen zu Mädchen im Teenageralter. Nach einer Studie des Architekturbüros ‚White Arkitekter‘ besteht hier eine höchst unausgeglichene Nutzung zwischen den Geschlechtern: Mädchen in der Altersgruppe zwischen 8 und 18 Jahren machten im öffentlichen Raum im Vergleich zu gleichaltrigen Jungen nur 20% aus[50]. Die Ursachen, die hierfür herangezogen werden, sind einerseits durch die geschlechtsspezifische Sozialisierung bedingt und andererseits durch mangelnde Angebote für Mädchen im öffentlichen Raum[51]. Rebecca Rubin bringt das Problem auf den Punkt: “Where can girls sit for a long time and spend little money? Often the answer […] is McDonalds: inexpensive, anonymous, sheltered from the elements”[52] .

Ab einem gewissen Alter werden Spielplätze für Jugendliche uninteressanter oder sie werden als ‘Eindringlinge’ betrachtet, wenn sie sich zum Beispiel abends auf der Schaukel aufhalten. Für Restaurants und Bars sind sie allerdings noch zu jung und haben nicht das nötige Geld, um ihre Zeit dort zu verbringen, wodurch sie neue öffentliche Orte benötigen, die für sie bestimmt sind[53]. Die meisten Angebote im öffentlichen Raum sind mehr für die Bedürfnisse von Jungs ausgelegt, da es sich mehrheitlich um Ballspielplätze und Skateparks handelt, wenn von ‘Orten für die Jugend’ gesprochen wird[54]. Damit können Teenager-Mädchen jedoch nicht so viel anfangen, was ihre Verdrängung aus dem öffentlichen Raum verstärkt. Zudem fühlen sie sich oft auf großen, offenen Plätzen (z.B. in Parks) nicht mutig genug, um dort Raum einzunehmen, da diese Orte “Mädchen zwingen, mit den Jungen um Raum zu konkurrieren”[55].

Fragt man Mädchen nach Orten, die sie sich in der Öffentlichkeit wünschen, haben viele von ihnen ungestörte, gemütliche Ecken zum Sitzen und sich unterhalten im Sinn, die gepflegt und schön gestaltet sind und an einem belebten Ort liegen, der dadurch sicher ist[56]. Parks und Sportplätze sollten in kleinere Bereiche aufgeteilt werden, damit es nicht zu Konkurrenzsituationen zwischen Mädchen kommt und am besten über mehrere, breite Eingänge verfügen[57]. Zudem gibt es eine Nachfrage an Spielen mit Interaktion und geschützten Orten zum Musikhören und Aktivitäten wie Skaten, ohne dabei von anderen beobachtet zu werden[58]. 

Geschlechtergerechtigkeit eine Voraussetzung für nachhaltige Architektur. Eine feministische Bauwende bedeutet daher, Planung, Ausbildung und Arbeitskultur so zu verändern, dass vielfältige Perspektiven berücksichtigt werden – und unsere gebaute Umwelt die Gesellschaft widerspiegelt, für die sie geschaffen wird.

Text: JS

Quellen

Balabantaray, S. (2023). Women’s Leadership and Sustainable Environmental Initiatives: A macroscopic investigation from Ecofeminism framework. International Journal of Multidisciplinary Research and Growth Evaluation, 4, 1039–1046.

Becker, R. (2004). Feministische Kritik an Stadt und Raum: Gender Mainstreaming und Managing Diversity. Sozialwissenschaften und Berufspraxis, 27(4), S. 377-386.

Brauner, R., Kail, E., & Schumann, K. (Hrsg.). (2025). Frauengerechte Stadt: Bausteine und Tipps aus der Praxis. urba future.

Claiming*Spaces Kollektiv. (2020). „Wir sind auf dem Weg“: Genderkompetenz im Architekturstudium. future.lab MAGAZIN, (13), 2–6.

Criado-Perez, C. (2020). Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert (Deutsche Erstausgabe, 9. Auflage). btb-Verl.

Darke, J. (1996). The Man-Shaped City. In C. Booth, J. Darke, & S. Yeandle (Hrsg.), Changing Places: Women’s Lives in the City (S. 88–99). Chapman.

Flade, A. (Hrsg.), Kustor-Hüttl, B. (Hrsg.). (1993). Mädchen in der Stadtplanung. Bolz-

plätze – und was sonst?. Weinheim: Deutscher Studien Verlag

Hartmann, K. (2022). Schwarzer Rolli, Hornbrille: Plädoyer für einen Wandel in der Planungskultur. Jovis. https://doi.org/10.1515/9783868599671

Kern, L. (2024). Feminist City (E. Gagalski, Übers.; 3. Auflage). Unrast.

Lange, A. (28.05.2021). Teen Girls Need Better Public Spaces to Hang Out. https://www.bloomberg.com/news/features/2021-05-28/we-need-more-public-space-for-teen-girls?srnd=citylab-design

Lowe, L. (08.07.2018). We need more public toilets. Too many people are squatting between parked cars. The Guardian. Opinion. https://www.theguardian.com/commentis-free/2018/jul/08/public-toilets-potty-parity Abgerufen am 20.06.2021

Places for girls (2017). White Arkitekter. https://whitearkitekter.com/project/places-for-girls/ Abgerufen am 17.06.2021

Stratigakos, D. (2016). Where are the women architects? Princeton University Press.

Technische Universität München (Hrsg.). (2018). Frauen in der Architektur: Vorstudie zur Entwicklung eines drittmittelfinanzierten Forschungsprojektes über fachkulturell relevante geschlechtergerechte Veränderungen in der Architektur.

Buchempfehlungen

Karin Hartmann – Schwarzer Rolli, Hornbrille

Despina Stratigakos – Where Are The Woman Architects?

Leslie Kern – Feminist City

Renate Brauner, Eva Kail & Korinna Schumann – Frauengerechte Stadt

Fußnoten

[1] https://unidata.gv.at/Pages/auswertungen.aspx

[2] https://ace-cae.eu/wp-content/uploads/2025/04/2024-ACE-Sector-Study-EN-04042025.pdf;   https://sabinaritariss.at/projekte/ausschuss-ziviltechnikerinnen

[3] https://aceobservatory.com/Home.aspx?Y=2018&c=Europe&l=EN

[4] Hartmann, 2022, S.34ff.

[5] Stratigakos, 2016, S.65

[6] https://architekturpionierinnen.at/

[7] Hartmann, 2022, S. 30

[8]  Stratigakos, 2016, S. 74; Hartmann, 2022, S. 34

[9] Stratigakos, 2016, S. 23

[10] https://sabinaritariss.at/projekte/gender-diversitaet-architekturstudium-tuwien

[11] Stratigakos, 2016, S.35

[12] https://www.pritzkerprize.com

[13] https://www.pritzkerprize.com

[14] Stratigakos, 2026, S.3

[15] Stratigakos, 2026, S.3

[16] Hartmann, 2022, S.19

[17] Claiming*Spaces Kollektiv, 2020

[18] https://bak.de/kammer-und-beruf/daten-fakten/umfragen-kammermitglieder/umfrage-zum-gender-pay-gap/

[19] Hartmann, 2022, S. 21f.

[20] https://diearchitektinnen.claimingspaces.org/beruf/

[21] Technische Universität München, 2018, S. 28

[22] Hartmann, 2022, S. 24

[23] Hartmann, 2022, S. 13

[24] Die Architektin und Autorin Karin Hartmann schrieb 2022 das Buch „Schwarzer Rolli, Hornbrille“ und prägte damit pointiert den Begriff.

[25] Hartmann 2022, S.45

[26] Hartmann, 2022, S.47

[27] Hartmann, 2022

[28] Hartmann, 2022, S. 50

[29] Hartmann, 2022, S. 48

[30] Hartmann, 2022, S. 17

[31] https://smartcity.wien.gv.at/strategie/genderaspekte-in-der-klimapolitik/

[32] https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/fachbeitraege/bauen/nachhaltiges-bauen/drei-saeulen/DreiSaeulen.html

[33] https://unric.org/de/17ziele/sdg-5/

[34] Balabantaray, 2023

[35] Darke, 1996, S.88

[36] Darke, 1996, S.88

[37] Darke, 1996

[38] Becker, 2004

[39] Criado-Perez, 2020, S. 71

[40] Criado-Perez, 2020

[41] Becker, 2004

[42] Criado-Perez, 2020

[43] Criado-Perez, 2020

[44] Criado-Perez, 2020, S. 56

[45] Kern, 2020, S. 42

[46] Criado-Perez, 2020

[47] Lowe, 2018

[48] https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVStaettV-12

[49] Criado-Perez, 2020

[50] Places for girls, 2017

[51] Flade, 1993

[52] Lange, 2021

[53] Lange, 2021

[54] Kern, 2020

[55] Criado-Perez, 2020, S. 96

[56] Flade, 1993

[57] Criado-Perez, 2020

[58] Lange, 2021